Zwischen Bürgersteig und Gitterbox

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Zwischen Bürgersteig und Gitterbox

Nach der Schönwetterphase drohen Herbststürme – und damit Laub, das auf Bürgersteige, Radwege und in Vorgärten fällt. Womit wir bei der nach dem Drachensteigen zweitbeliebtesten Herbstsportart sind: dem Laubfegen.

Fegen ist dabei relativ: Denn die Zahl derjenigen, die noch mit Rechen, Besen, Schippchen und Schaufel dem fallenden Laub hinterher jagen, schrumpft. Immer mehr Baumärkte und Discounter haben spätestens ab dem Frühsommer die neuen Allzweckwaffen für die Herbstarbeit im Sortiment: Laubbläser, Laubsauger und Geräte, die anscheinend ausschließlich Krach machen, sonst aber gar nichts können.

Düsenjäger in der Hand

Nun wurde über die Lärmbelästigung durch Laubblas- und sauggeräte schon viel lamentiert. Was in dieser Diskussion häufig zu kurz kommt, ist der praktische Umgang mit den Geräten im Alltag. Nicht alle Zeitgenossen schaffen den Übergang vom Handfeger zum Motorblasen. So wirbeln die mit Düsenjäger-Geschwindigkeit aufgewirbelten Blätter dann unkontrolliert auf das Grundstück derjenigen, die noch mit dem Besen hantieren. Und türmen sich zu wahren Blatt-Kaskaden. Freundliche Hinweise darauf, dass der Laubbläser doch bitteschön mal in die andere Richtung gehalten werden soll, bleiben vielfach ungehört. Weil die Dinger zu laut sind.

Transport im Trab

Zurück zum Laub: Früher gab es im Herbst den sportlichen Dreikampf aus fleißigem Fegen, dem trabenden Transport zur Tonne und schweißtreibendem Stopfen. Heutzutage stellen viele Kommunen temporäre Gitterboxen auf, in denen die Laubsammler des betreffenden Straßenabschnitts gemeinschaftlich Laub deponieren dürfen. Ab und zu kommt der große Müllwagen und saugt die Gitterbox wieder leer. Bis es wieder so weit ist, kommt jeweils eine neue Sportvariante hinzu: der zielgerichtete Sprint zur Gitterbox. Denn nur wer schnell ist, wird sein Laub auch los. Andernfalls muss er wie gewohnt die eigene Biotonne vollstopfen. Oder das Laub liegenlassen.

Bürgersteigferne Behausung

Für alle Freunde an der Bewegung, die entweder keinen Baum vor dem Haus haben oder glückliche Bewohner einer bürgersteigfernen Behausung sind, bietet sich die alternative Herbstsportart an: wegfliegenden Mützen und Hüten hinterher zu rennen oder umklappende Regenschirme zu richten. Denn eines ist gewiss: Der nächste Herbststurm kommt bestimmt. Übrigens immer noch der beste Laubbläser, den es gibt.

Von |2018-10-12T16:13:48+00:00September 14th, 2018|